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«Man kann sich nie zurücklehnen und sich sagen, das ist es jetzt»

#CEO talk mit Simon Ittig


Simon Ittig ist CEO und Co-Gründer von T3 Pharmaceuticals, das bislang einen beeindruckenden Weg hinter sich hat. Wir haben mit ihm über den «mondlandungsmässigen» Moment gesprochen, wenn man nach monatelanger Forschung sieht, dass etwas funktioniert wie geplant und über seinen Weg vom Forscher zum Unternehmer und CEO eines innovativen Unternehmens.




Simon Ittig by remoneuhaus.com



Du hast eine neue Therapieform entwickelt, Krebs mit Bakterien über das körpereigene Immunsystem zu bekämpfen. Wann wusstest Du, dass Du auf dem richtigen Weg bist?


Der richtige Weg ist für mich ein schwieriges Statement. Denn der richtige Weg ist zukunftsgerichtet und wir müssen ja auch immer wieder flexibel sein. Ich habe nie das Gefühl, dass wir auf dem richtigen, «fixen» Weg sind. Aber gemerkt, dass ich bzw. wir als Gründerteam den Weg weitergehen müssen, haben wir an einem bestimmten Punkt während eines Versuchs: Wir waren im Labor an einem Experiment, um Krebszellen zu töten. Normalerweise schaut man sich Krebszellen nach etwa 6 oder sogar erst nach 12 Stunden wieder an. Dieses Mal habe ich gedacht, ich schaue nach 90 Minuten mal drauf, ob schon etwas passiert ist, und da waren alle Krebszellen weg. Im ersten Moment dachte ich, dass ich etwas falsch gemacht habe. Also habe ich es wiederholt und es war wirklich so. Da haben wir gemerkt, unser Ansatz kann etwas und ist potent. Das war ein toller Moment. Das ist überhaupt das Schöne, wenn man im Labor arbeitet. Man hat ein Konzept im Kopf, das man in wochen- oder monatelanger Arbeit umsetzt und irgendwann hält man etwas ins Auslesegerät, dann geht’s 30 Sekunden und dann kommt’s heraus, wie man wollte, oder halt nicht – dieser Moment hat schon so etwas «mondlandungsmässiges». Es gibt in der Forschung ja auch viel Frustrationen, da denkt man, nein, warum, dann muss man es nochmals machen oder neu konzipieren. Aber damals war es so klar – es klappt.


Wie kam es zu der Idee, Dein eigenes Unternehmen zu gründen und nicht zum Beispiel an eine Pharmafirma abzugeben?


Da gibt es mehrere Gründe. Zunächst einmal haben wir unseren Ansatz ja von Grund auf selbst entwickelt und gemerkt, dass er etwas kann. Da wollten wir auch selber sehen, was man mit ihm erreichen kann, die wichtigen Entscheidungen treffen und das Potential der Technologie ausschöpfen. Bis heute ist das der Hauptwunsch, der uns antreibt.

Hinzu kam aber auch, dass wir einen Ansatz verfolgen, in dem sehr viel neue Technologie steckt, der von den Pharmafirmen noch nicht «aufgenommen» ist. Es ist kein Ansatz, der schon breiter angewendet wird. Vermutlich hätten wir so früh im Prozess bei grossen Firmen gar keinen Anklang gefunden und auch deswegen dachten wir, dass wir den Weg selbst beschreiten müssen.

Schliesslich denke ich auch, dass mein Co-Gründer Christoph Kasper und ich gut geeignet sind, diesen Weg zu gehen. Obwohl wir als Gründerteam nicht aus dem Drug Development, sondern frisch von der Uni kamen, denken wir, dass wir vom wissenschaftlichen Know-How und unserem intrinsischen Antrieb her gute Voraussetzungen hatten/haben, diese Technologie voranzutreiben. Wir sind und waren uns aber auch immer bewusst, dass wir viel Neues dazulernen müssen – und versuchen uns dementsprechend reinzuhängen.



Vom Forscher zum Unternehmer und CEO – wie verändern sich die Rolle und die damit verbundenen Aufgaben?


Es war schön, dass wir eine Transition Period hatten. Es war kein harter Cut vom einen auf den anderen Tag. Zum Beispiel bekamen wir das erste Geld noch aus Stiftungen über universitäre Accounts. So konnten wir ins Projektmanagment und in die strategische Planung reinwachsen. Über die Jahre haben sich die Aufgabenfelder natürlich komplett verändert. Das Wichtigste für mich ist aber, dass noch immer vieles wissenschaftsbasiert ist, etwa wenn wir Anträge für die Durchführung klinischer Studien verfassen, Patente schreiben oder mit unseren Wissenschaftlern die nächsten Projekte für die Erweiterung Pipeline besprechen. Neben dem Administrativen geht es immer um eine wissenschaftliche Grundlage und da fühle ich mich zu hause.


Mit unserem Wachstum habe ich mir zudem bewusst werden müssen, dass man eine Firma auch ideell mitträgt, dass man eine Firmenkultur vorlebt und dadurch auch steuert, wie wohl sich die Leute fühlen und wie respektvoll miteinander umgegangen wird. Ich möchte nicht, dass sich unsere Mitarbeitenden nur als Angestellte sondern als Teil des Projekts sehen. Dieses Bewusstsein ist mit der Zeit gewachsen.


Wie findet Ihr die Leute, die Eure Idee mittragen und nicht nur einen Job machen?


Also Hiring ist schon eine Herausforderung. Anfangs haben wir viele Leute eingestellt, die wir schon kannten, aus dem Studium oder Labor. Das war einfach. Es kam aber der Moment, an dem wir Andere reinholen wollten mit zusätzlichen Erfahrungen, z.B. im Drug Development, Medical und Clinical Operations etc. Diese Leute mussten dann ihre Erfahrungen einbringen, gleichzeitig aber auch den Spirit des Teams mittragen, hands-on sein und akzeptieren können, dass ich mit 30 Jahren, heute etwas älter, weniger Erfahrung, in manchem projektbezogenen aber einen besseren Überblick hatte oder habe. Wir müssen also Leute finden, die das mittragen, es braucht aber auch eine Teamkultur, bei der sich diese Mitarbeiter einbezogen fühlen. Glücklicherweise funktioniert dies bei uns gut und es freut mich zum Beispiel sehr, dass ich von diesen Leuten, die bereits seit 20 oder 30 Jahren im Feld sind, höre, dass sie gern mit uns zusammenarbeiten und sie das Team und die Art, wie wir miteinander umgehen, wertschätzen. Das ist mir wichtig und ich bin überzeugt, dann kommt auch eine gute Qualität raus. Es muss sich jeder trauen können, seine Erfahrung zu teilen, Meinung zu äussern und auch einmal etwas gegen die Idee eines Anderen zu sagen.


Was sind die grössten Herausforderungen als Unternehmer?


Das Schwierigste ist, wie wenig in Stein gemeisselt ist. Wenige Sachen kann man einfach abhaken und weitergehen. Vieles muss man neu priorisieren, wieder wegschieben, aufnehmen, etc. Das Richtige auf der Agenda zu haben, fürs Richtige die Zeit aufzuwenden – das ist für mich die grösste Herausforderung. Aber das macht es auch spannend. Oft muss man sehr schnell entscheiden und weiter gehen – das gefällt mir sehr. Man kann sich nie zurücklehnen und sich sagen, das ist es jetzt. Ich habe eine gewisse Grundunruhe und Unzufriedenheit und möchte immer noch mehr und weiter kommen. Das passt, glaube ich, ganz gut ins Unternehmertum. In anderen Feldern kann das störend sein, hier passt es und es ist schön zu merken, dass es so aufgeht.


Du hast gesagt, Dir gefällt, dass noch immer viele Aufgaben Deines Alltags wissenschaftsbasiert sind. Wie sehr bist Du noch in der Forschung?


Im Labor bin ich nicht mehr, in die Planung der Experimente bin ich aber teilweise involviert. Es ist mir wichtig, eng dran zu bleiben, mitzukriegen, was man Neues machen kann. Ich kümmere mich auch um die Patente, was sehr wissenschaftlich ist. Ich möchte das wissenschaftliche Gespür für die Technologie nicht verlieren. Zwar nicht mehr in der Tagesaktualität, aber doch so, dass ich nah genug dran bin, um das Gefühl für die Technologie zu behalten.


Wo siehst Du Dich in 10 Jahren?


Definitv in der Behandlung von Patienten mit unserem Ansatz. Unser grosses Ziel ist es, die Technologie vielfältig und divers in der Klinik zur Anwendung zu bringen und somit auch das Leben von Menschen zu verändern.




Über T3 Pharmaceuticals AG


T3 Pharma ist ein Biotechunternehmen, das mit Hilfe von lebenden Bakterien immunonkologische Therapien für feste Tumore entwickelt. Indem das bakterielle Typ-III-Sekretionssystem (T3S) umgenutzt wird, hat das T3-Team einen neuartigen Ansatz zur Proteinverabreichung entwickelt und patentrechtlich schützen lassen.


Das Unternehmen wurde 2015 als Spin-off des Biozentrums der Universität Basel gegründet. Seither hat T3 Pharma insgesamt 40 Millionen CHF an Kapital von Investoren erhalten, darunter vom Boehringer Ingelheim Venture Fund, von Reference Capital AG, Wille Finance AG und privaten Schweizer Investoren.


T3 war eine der ersten durch den Accelerator BaseLaunch unterstützten Firmen und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem im 2019 mit dem W.A. de Vigier Award, als «Science Startup of the year 2018» von Falling Walls Venture und als Gewinner der Venture.ch Businessplan- Competition 2016.


Weitere Informationen finden Sie unter: www.t3pharma.com.


Bildrechte bei Remo Neuhaus (Award SEF Gewinner 2021)



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